Blogwichteln 2019/2020: Kulinarische Entdeckungen bei Asterix

Wie immer beim Blogwichteln im Netzwerk Texttreff habe ich nicht nur einen Beitrag verschenkt (hier zu finden), sondern wurde auch selbst bewichtelt. Meine liebe Kollegin Anne Webert hat sich davon inspirieren lassen, dass wir beide gern kochen und ich ein Faible für Comics habe – und ich bin ganz begeistert, was sie in den Asterix-Bänden so alles entdecken konnte. Herzlichen Dank für diese wunderbaren Einblicke in einen mir bisher nicht so präsenten Aspekt der Comics (und den Hinweis auf die Kochbücher, die mir doch glatt in meiner Sammlung fehlen)!

Kulinarische Entdeckungen bei Asterix

Wer glaubt, dass Comics nichts mit Kulinarik zu tun haben, täuscht sich. Gerade der französische Klassiker Asterix „trieft“ vor fantastischen Speisen, die häufig auf wirkliche Spezialitäten weisen.

Und damit ist nicht nur das große Festmahl am Ende jeder Geschichte gemeint. Ganz gleich, wohin die Reise die beiden Gallier führt – landestypische Speisen und Getränke begleiten sie. Selbst Cäsars Lorbeerkranz wird für ein Ragout verwurschtelt. 😉 Als kulinarische Antwort auf Biberschwänze mit Himbeeren und Rinderfüße à la Creme. Man kann sagen, was man will – Uderzo und Goscinny haben die französische Leidenschaft für Essen an ihre Comicfiguren weiter gegeben.

Tour de France

Auf ihrer Rundreise durch Frankreich sollen Asterix und Obelix diverse regionale Spezialitäten einsammeln: 1. Schinken aus Lutetia, 2. Backpfeifen aus Camaracum, 3.Wein aus Durocortorum,  4. Schnittwurst aus Lugdunum, 5. Salat Nicaeoise, 6. Bouillabaisse aus Massailia, 7. Würste aus Tolosa, 8. Pflaumen aus Aginum, 9. Austern und Wein aus Burdigala.

Dahinter verstecken sich:

  1. Der Pariser Schinken wird aus entbeinten, gepökelten Schweinekeulen hergestellt. Er wird in einer Brühe mit Wacholder, Koriander, Gewürznelke und Kräutern gekocht und sollte – da hat Obelix ganz recht – nicht in zu dünne Scheiben geschnitten werden.
  2. Bêtises de Cambrai (Dummheiten aus Cambria) sind wahrscheinlich die ersten Bonbons Frankreichs. Die weißen Karamellbonbons mit Minze kann man heute auch in anderen Geschmacksrichtungen kaufen.
  3. Spätestens wenn sie mit den Flaschenkorken schießen, wird klar, dass es sich nicht um Wein, sondern um Champagner handelt. Champagner aus Reims. Und da die beiden sich nicht entscheiden können, packen sie herben, trockenen, halbtrockenen und süßen Champagner ein und wundern sich ein wenig über die Unterschiede.

Richtung Süden

  1. Aus den engen Gassen von Lyon bringen sie nicht nur die Fleischwurst Lyoner, sondern auch Fleischklößchen Quelles mit. Wobei Quelles auch für Gries- oder Fischklößchen stehen kann, aber Schönfix hat nach eigener Aussage eben Fleischklößchen eingepackt.

5./6. In Nizza wandert Salat Nicoise in Obelix‘ Sack und natürlich eine echte Bouillabaisse, die legendäre Fischsuppe aus Marseille. Der Salat ist ein unterschätzter Klassiker – mit Tomaten, schwarzen Oliven, frischen Kräutern, hart gekochtem Ei und Thunfisch (da setzte ich bewusst auf veganen, selbst gemachten Ersatz aus Artischocken, Kichererbsen, Nori – sorry). Nur wirklich gut wird er, wenn die Tomaten Saison haben. Und zur Bouillabaisse müsst ihr unbedingt Gäste einladen – je mehr unterschiedlichen frischen Fisch ihr verwendet, desto besser wird die Suppe.

Richtung Westen

  1. Die grobe, rohe Schweinswurst aus Toulouse hat keinen Gebietsschutz, aber ein Label Rouge “Véritable Saucisse de Toulouse” (Echte Saucisse de Toulouse) und darf derzeit nur von 15 einheimischen Metzgern hergestellt werden. Sie wird zu Linsen gebraten oder im Cassoulet, einem Schmorgericht mit weißen Bohnen und unterschiedlichen Fleischsorten, verwendet.
  2. „Pruneaux d’Agen” – Pflaumen aus Agen. Die Trocken- oder Dörrpflaumen aus dem milden Südwesten waren perfekter Proviant für lange Reisen und wurden über die Garonne verschifft.
  3. Weißen Burdigala, also weißen Bordeaux, wollen die Gallier. Bis in die 1970er Jahre war nämlich nicht der rote, sondern weiße Bordeaux der Verkaufsschlager der Region. Und auch wenn sie Austern in (mindestens) sieben wichtigen Küstenregionen hätten einpacken können – sie entscheiden sich für Austern aus dem Atlantik und machen damit schon mal nichts falsch.

Asterix und der Kupferkessel

Im Kupferkessel kann der Dieb (also eigentlich ja derjenige, der den Diebstahl vorgetäuscht hat – Moralelastix) anhand des Zwiebelsuppenaromas der Sesterzen überführt werden. Obelix‘ Fassungslosigkeit, wie man die gute Suppe zugunsten einer Geldfüllung wegschütten konnte, ist der Runing Gag des Heftes. Ebenso wie der Preisverfall für Wildschweine.

Asterix bei den Belgiern

Die Belgier stehen zu ihrem Ruf als Genussmenschen – wobei die Gallier sie eigentlich wegen ihres Rufes als tapfere Krieger aufsuchen. Sehr charmant sind die kurzen Diskussionen zwischen Stellartoix und seiner Frau Kantineken. Diese ist auf Gäste nicht eingestellt und muss schauen, was sie servieren kann. Nicht nur Obelix ist dann beeindruckt von ihrem Angebot „ein paar Wildschweine, etwas Leberpastete und ein paar gestrichene Brote“. Die Tafeln biegen sich ein ums andere Mal.

Selbst die von den Menapier zubereitete flämische Spezialität „Waterzooi“ (die Stellartoix als „Schlappes Essen in trauriger Terrine“ bedauert) und hinter der sich ursprünglich ein Fischeintopf verbirgt, kann an wachsender Freundschaft und überragender Gastfreundschaft nichts ändern. Heutzutage wird Waterzooi zumeist aus Huhn gemacht und ist alles andere als ein „Wassersud“: Lauch, Kartoffeln, Fleisch, abgebunden mit eine Eier-Creme-Fraiche-Mehlschwitze – damit würde ich es definitiv zu den gehaltvollen Eintöpfen zählen.

Und nachdem die Belgier den Versuch, Kartoffeln zu frittieren, aus heutiger Sicht perfekt abschlossen haben, steuert eine Planke der Piraten auch noch die allgegenwärtigen Muscheln zu den belgischen Pommes bei.

Asterix und Kleopatra

Den Geschmack von „in Essig gelösten Perlen“ will ich mir nicht vorstellen. Aber auch sonst lässt Kleopatra sich natürlich nicht lumpen: zum „intimen Mahl“ gibt es 300 einfache Gerichte und den Kuchen mit Mandeln, den die Gallier ihr vermeintlich schenkten. Da 40 Tänzer und 80 Musiker nicht zählen, isst sie „allein“.

Anders als beim Dankes-Festessen mit 14.000 Gedecken – von dem leider nicht bekannt ist, was serviert wird.

Asterix bei den Briten

Auf der britischen Insel verzweifelt Obelix am gekochten Wildschwein mit Pfefferminzsoße. Aber der Fokus liegt in diesem Heft eindeutig auf lauwarmer Cervisia, Wein und kochendem Wasser. Das Asterix mit einem kurzen Handschwung in Tee wandelt und den Briten so nicht nur neuen Mut, sondern auch gleich ein neues Nationalgetränk kredenzt. So die französische Theorie zur englischen Teatime.

Die große Überfahrt

Die Suche nach frischem Fisch – bei Verleihnix gibt es nur Fische aus Lutetia, nicht aus dem Meer, denen „fehlt der typische Geruch“ – treibt die beiden Gallier aufs Wasser und lässt sie an einer unbekannten Küste stranden. Die Suche nach Wildschwein bleibt erfolglos, aber die häufig anzutreffenden „GuruGurus“ munden anscheinend. Auch mit Bär gefüllt. Auf den indianischen Eintopf aus Wauwau verzichtet Obelix allerdings …

Asterix und der Avernerschild

Eigentlich geht es um den Verzicht auf gutes Essen, denn Häuptling Majestix hat es damit übertrieben und muss zur Kur. Die Reise dorthin wird „zum Gastronomischen Streifzug“, garniert von allerlei Sprichwörtern rund um den Genuss, die auch heute noch gern genutzt werden. Die Diät mit „In-Wasser-Gedünstetem-Gemüse“ wirkt wenig appetitlich und Asterix und Obelix verlassen ihren Chef, um zu den Avernern zu reisen. Dort soll es Wildschwein in Weinsoße, Gemüseeintopf, Hartwurst und Schimmelkäse geben. Doch es gibt vor allem Wein, Eintopf und Kohle, was kulinarisch anscheinend ausreichend ist.

Asterix auf Korsika

Beim Jahrestag der Schlacht von Gergovia feiern die Gallier mit Freunden aus aller Welt – und worum dreht sich der Small Talk der Damen: um Mode und Kochen. 🙂 Wobei die Frage im Raum bleibt, ob Olivenöl oder Wasser das bessere Aroma abgeben …

Erinnert ihr euch an das explodierte Schiff vor der Küste?! Der korsische Käse, den Panschnix Osolemirnix als Reiseproviant mitgibt, hat daran keinen unerheblichen Anteil. Denn es ist „nicht von dem Zeug für die Gäste“, sondern wohl ein echter „Casgiu Merzu“. Das ist die korsische Variante des sardischen „Casu Marzu“. Beide vereint die Herstellung (im Inneren leben Maden, die Käse fressen und verdauen und dadurch cremig machen) und das europäische Verbot, diesen Käse zu verkaufen. Es wird an einer neuen Herstellungsmethode gearbeitet, bei der garantiert werden kann, dass die Fliegen sozusagen klinisch rein sind.

Axel Hacke hat den Zusammenhang zwischen europäischen Käse, Casgiu Merzu und amerikanischen Strafzöllen aufgedeckt. Lesenswert.

Asterix bei den Schweizern

In Auerochsenfett gebratene Schweinskaldaunen, Bärenblutwurst, gefüllte Giraffenhälse und natürlich allerlei Varianten von Käse und Käsefondue – schließlich muss man die Orgien in der Schweiz feiern, wie sie fallen, findet Agripus Virus. Sein Koch wundert sich über die Dekadenz einer klaren Gemüsesuppe, allerdings nur im Stillen. Und Obelix staunt über die Löcher im Käse. Wenn er wach ist.

Asterix als Legionär

„Ich hätte nicht gedacht, dass die römische Armee so gut ist!“ Asterix leuchtet der Zusammenhang zwischen schlechtem Essen und der Kampfbereitschaft der Soldaten ein. Schlechtes Essen macht schlechte Laune.

Aber das lässt sich ja ändern. Der Koch hat bald den Dreh raus und bietet neben dem immer beliebten Wildschwein auch Soufflé aus erlesenen Meeresfrüchten, Sahnetorte, kandierte Früchte und den dazugehörigen Weinkeller.

Asterix in Italien

Auch in neueren Heften von Ferri und Conrad, kommt das Thema Genuss nicht unter die Räder … GARUM: „Eine bei den Römern sehr geschätzte Würzsosse aus fermentierten Fischinnereien“. Hergestellt von LUPUS, dem Sponsor der Wettfahrt quer durch Italien und gepriesen als „Die Würze der Sieger“, scheint den Comichelden Flügel zu verleihen. Es befördert einige Konsumenten direkt ins Krankenhaus und begeistert höchstens Briten und Verleihnix. Lusitaner verwenden es allerdings lieber als Rostlöser …

Die Römer haben tatsächlich viel mit dieser antiken Art der Fischsoße gewürzt. Und es gibt auch heute noch Varianten davon, wie „Colatura di Alici (di Cetara)“. Ein bernsteinfarbenes, salziges Extrakt von Sardellen, die an der Amalfiküste zwischen 25. März und 22. Juli gefangen werden. Die Soße wird mit ungesalzener Pasta gern an Weihnachten serviert.

Obelix hat kein Verständnis dafür, Parmaschinken in möglichst dünne Scheiben zu schneiden – da könne man ja auch zu Krümeln geriebenen Käse servieren, mutmasst er. Neapolis Pinsae – Hefeteigfladen sind trocken und überzeugen ihn nicht. Da die Tomate erst 1700 Jahre später ihren Weg nach Italien findet, fehlt der würzig, cremige Belag.

Wildschwein und Co.

Ihm kommt nicht nur in Obelix‘ Wahrnehmung eine Hauptrolle zu. Ohne Wildschwein kein Asterix. Aber auch hier gibt es Abwechslung. Im Heimatdorf der Gallier wird das Wildschwein gegrillt, aber unterwegs treffen sie auf manche Variante:

Eine Schiffsladung gepökeltes Wildschwein kreuzt mit den Piraten ihren Weg nach Spanien. Als Legionäre genießen sie Schwein vom Spieß, bei den Briten wird es gekocht „… und dazu noch mit Pfefferminzsoße, Asterix! Das arme Schwein“, befindet Obelix. Im Morgenland gibt es erst mal Kamel: „schmeckt genau so gut wie Dromedar, aber der Vorteil ist, dass es zwei Höcker hat.“

In Italien bieten Goten Sauerkraut zum Schwein, aber in Sena gibt es Wildschwein mit Knoblauch und Pasta. Und im Avernerland ein feines Weinsößchen zum Schwein.

Kochbücher

Zwei Asterix Kochbücher gibt es inzwischen. Eines hat Uderzo 2002 rausgebracht und Patrick Rosenthal hat mit seinem „inoffiziellen“ 2019 nachgelegt. Darin findet ihr Wildschwein in Minzsoße – also eines der Rezepte, von denen ich nicht sicher bin, ob man es wirklich braucht.

Zur Autorin

Anne Webert hat es von Hamburg nach Bayern verschlagen, wo sie mit Mann, Kind, Katze und 8 Hühnern am Ammeersee ihren Traum als freie Journalistin, Bloggerin und Fotografin lebt. Ihre Leidenschaft gehört dem Kochen und Backen, was auf Annes-Topfgeflüster.de unschwer zu erkennen ist.

Anne Webert; Foto: Petra Zobl

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  1. karin

    Hallo liebe Kerstin,

    was für eine tolle Übersicht an Essen und Trinken usw. in der Zeit von Asterix…
    Finde ich immer spannend und interessant, wenn es so realen Bezug gibt…

    LG..Karin…

  2. Ach, wie wundervoll! Vielen Dank, Kerstin und Anne, für diese tolle Übersicht. Ein Grund mehr, Asterix und Oberlix zu lieben (nicht dass es den zusätzlich noch bräuchte, aber dennoch …)
    Liebe Grüße
    Cordula

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