Rezension: »Die Tinktur des Todes« von Ambrose Parry

Eine Mordserie im viktorianischen London, ein aufstrebender junger Arzt, der sich zusammen mit einem Hausmädchen daran macht, mehr über die Hintergründe herauszufinden – die Grundzutaten von »Die Tinktur des Todes« von Ambrose Parry versprachen einen interessanten historischen Krimi.

Mit Will Raven hat das Autorenduo zudem einen interessanten Protagonisten erschaffen, denn er ist nicht nur ob seines mysteriösen Hintergrunds, sondern auch wegen seines Berufs ein faszinierender Charakter. Gleich zu Beginn des Romans steht der Gute vor einer Frauenleiche – einer toten Prostituierten, mit der er zudem sogar verkehrt hat. Direkt im Anschluss erfahren wir, dass er dabei ist, seine Stelle als Famulus beim berühmten Arzt Dr. Simpson anzutreten, aber zuvor lungern ihm noch zwei zwielichtige Gestalten in einer Gasse auf und schlagen ihn grün und blau, weil er Schulden bei einem berüchtigten Kredithai gemacht hat und diese alsbald zurückzahlen soll.

Dann ist da noch das Hausmädchen Sarah, das neben seinen häuslichen Pflichten auch in der Praxis aushilft und mit Begeisterung die Bücher des guten Doktors und seiner Schwägerin liest und sich danach sehnt, wie ein Mann mehr aus sich machen zu können.

Trotz dieser doch sehr vielversprechenden Ansätze konnte mich der Roman nie wirklich fesseln. Der Schreibstil ist zwar angenehm, aber ich war irgendwie immer hin- und hergerissen. Einerseits sind die Beschreibungen der Geburten zu dieser Zeit wahrlich nichts für schwache Nerven, aber vermutlich durchaus realistisch, und die medizinischen Fortschritte und Forschungsmethoden jener Zeit sowie die Beschreibung Edinburghs an sich waren durchaus fesselnd, andererseits ließen mich die beiden Hauptfiguren Will Raven und das Hausmädchen Sarah ebenso kalt wie deren sich anbahnende und zum Teil sehr unbeholfen beschriebene Liebesgeschichte.

Zudem stellte sich relativ schnell der Verdacht ein, wer hinter der ganzen Mordreihe steckt, sodass es bestenfalls mäßig spannend war, mehr über den Verlauf der Ermittlungen zu lesen. Letzten Endes hat mich dieser historische Krimi nicht begeistern können, sondern eher mittelmäßig unterhalten (was aber vor allem den medizinischen Aspekten zu verdanken ist) und in mir auch nicht das Verlangen geweckt, eine eventuelle Fortsetzung zu lesen.

Da Geschmäcker selbstverständlich verschieden sind, finden sich im Netz auch viele positivere Bewertungen. Weitere Rezensionen findet ihr u.a. hier:

Hier könnt ihr in die Leseprobe reinschnuppern.

— Werbung —

„Eine Aufsehen erregende Kriminalgeschichte vor dem Hintergrund medizinischer Experimente im Edinburgh des 19. Jahrhunderts. Das Buch lässt sowohl die Stadt als auch die Epoche lebendig werden und ist eine großartige Lektüre.“ Ian Rankin

1847: Eine brutale Mordserie an jungen Frauen erschüttert Edinburgh. Alle Opfer sind auf dieselbe grausame Weise gestorben. Zur gleichen Zeit tritt der Medizinstudent Will Raven seine Stelle bei dem brillanten und renommierten Geburtshelfer Dr. Simpson an, in dessen Haus regelmäßig bahnbrechende Experimente mit neu entdeckten Betäubungsmitteln stattfinden. Hier trifft Will auf das wissbegierige Hausmädchen Sarah, die jedoch einen großen Bogen um ihn macht und rasch erkennt, dass er ein dunkles Geheimnis mit sich herumträgt. Beide haben ganz persönliche Motive, die Morde aufklären zu wollen. Ihre Ermittlungen führen sie in die dunkelsten Ecken von Edinburghs Unterwelt und nur, wenn es ihnen gelingt, ihre gegenseitige Abneigung zu überwinden, haben sie eine Chance, lebend wieder herauszufinden.

„Parrys viktorianisches Edinburgh wird auf eindringliche Weise lebendig – als Welt des Schmerzes.“ Val McDermid

Autoreninformationen

Ambrose Parry ist das gemeinsame Pseudonym von Christopher Brookmyre und Marisa Haetzman. Das Paar ist verheiratet und lebt in Schottland. Brookmyre arbeitete nach seinem Studium der Englischen Literatur- und Theaterwissenschaften als Journalist in London, Los Angeles und Edinburgh. Der mehrfach preisgekrönte Autor hat über zwanzig Romane veröffentlicht, darunter internationale Bestseller. Marisa Haetzman ist Medizinhistorikerin und hat zwanzig Jahre als Anästhesistin gearbeitet. Ihre Forschungsarbeit zur modernen Anästhesie inspirierte das Paar, „Die Tinktur des Todes“ zu schreiben

Produktdetails

  • ISBN: 978-3866124721
  • Erschienen am 31. August 2020
  • Pendo
  • 464 Seiten
  • Übersetzer: Hannes Meyer

Weitere Informationen findet ihr bei Piper, Buch7, Amazon und natürlich dem Buchhändler eures Vertrauens (beispielsweise unter myBookShop, geniallokal, Jetzt ein Buch, im Otherland oder im Drachenwinkel).

Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar. Die unentgeltliche Bereitstellung des Buches hat meine Meinung in keiner Weise beeinflusst.

— Werbung —

Zurück

Themenwoche Gaming beim DVÜD

Nächster Beitrag

Rezension: »Binging with Babish«

  1. Hey Kerstin =)

    bin froh, dass dich der Roman auch nicht begeistern konnte, habe mich mit meiner Meinung fast schon allein auf weiter Flur gefühlt. Vielen Dank für die Verlinkung, ich füge dich direkt auch bei mir ein =)

    Viele liebe Grüße,
    Nico

    • Wortspielerin

      Hi Nico,
      ich war nach den vielen positiven Rezensionen auch schon ein bisschen irritiert und sehr erleichtert, dass ich mit meiner weniger guten Meinung nicht allein auf weiter Flur stehe. 😉
      Liebe Grüße
      Kerstin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Mit Absenden eines Kommentars akzeptierst du meine Datenschutzbestimmungen.

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén