Rezension: »Maschinen wie ich«

»Maschinen wie ich« von Ian McEwan ist gerade frisch als Taschenbuch erschienen und beschäftigt sich mit einem Thema, das die Menschheit schon eine ganze Weile interessiert: Können künstliche Intelligenzen ein Bewusstsein entwickeln, und ab wann ist dieses schützenswert?

Alles fängt damit an, dass Charlie sein Erbe seiner Mutter auf den Kopf haut und sich für 86.000 Pfund einen funktionsfähigen künstlichen Menschen kauft. Auf der ganzen Welt gibt es gerade mal zwölf Adams und dreizehn Eves, und ein Adam wird Charlie nun ins Haus geliefert. Als wäre das noch nicht Aufregung genug, stellt er dann auch noch fest, dass er drauf und dran ist, sich in seine Nachbarin Miranda zu verlieben, der er sogar gestattet, einen Teil von Adams Persönlichkeitsmerkmalen festzulegen.

Nach und nach entwickelt Adam tatsächlich eine eigene Persönlichkeit, die deutlich weiter geht und tiefer reicht, als Charlie es sich je hätte vorstellen können, und so nimmt das Unheil seinen Lauf.

Ganz so dramatisch, wie das jetzt klingen mag, verläuft die Geschichte jedoch beileibe nicht. Vielmehr wird Charlies Leben aus seiner Perspektive derart ruhig geschildert, dass man sich manchmal fragt, wie er diese Langeweile überhaupt ertragen kann und warum sich Miranda eigentlich in ihn verliebt.

Dabei wird die entscheidende Frage dieses Buchs zwar gründlich betrachtet und sogar mit Alan Turing diskutiert – doch gerade diese Person und die ganze alternative Geschichtsschreibung hätte es meiner Meinung nach nicht gebraucht. Die politischen und gesellschaftlichen Aspekte, die sich der Autor da für England im Jahr 1982 hat einfallen lassen, sind zwar in gewisser Weise nett und witzig, scheinen jedoch keinen wirklich entscheidenden Bezug zur Geschichte zu haben und lenken oftmals nur ab, ebenso wenig wie Alan Turing und sein fiktiver Werdegang.

Wo die Haupthandlung mit den Betrachtungen des künstlichen Menschen und seine Reaktion auf die Welt punkten konnte, interessierten mich die Nebenstränge oftmals derart wenig, dass ich viele Seiten nur noch überflog. Daher fällt es mir sehr schwer, ein allgemeingültiges Fazit zu ziehen, denn subjektiv bin ich hin- und hergerissen zwischen vielen guten Ideen auf der einen und einen unnötigen Schauplatz mit ablenkenden Beschreibungen auf der anderen Seite … Letzten Endes hatte ich mir einfach etwas anderes von dem Buch erhofft und bin nicht wirklich damit warm geworden.

 

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Charlie ist ein sympathischer Lebenskünstler, Miranda eine clevere Studentin. Sie verlieben sich, gerade als Charlie seinen ›Adam‹ geliefert bekommt, einen der ersten lebensechten Androiden. In ihrer Liebesgeschichte gibt es also von Anfang an einen Dritten: Adam. Kann eine Maschine denken, leiden, lieben? Adams Gefühle und seine moralischen Prinzipien bringen Charlie und Miranda in ungeahnte – und verhängnisvolle – Situationen.

Ian McEwan imaginiert in diesem kühnen Roman die Vergangenheit neu: In einer Welt, die ein wenig anders ist als die unsere, stellt ein Roboter ein junges Liebespaar vor ein gefährliches Dilemma. London, 1982: Großbritannien hat gerade den Falkland-Krieg verloren, und dank der Forschung von Alan Turing gibt es Anfang der achtziger Jahre schon Internet, Handys und selbstfahrende Autos – und die ersten täuschend echten künstlichen Menschen. Charlie, ein sympathischer Lebenskünstler Anfang 30, ist seit seiner Kindheit von künstlicher Intelligenz fasziniert, Alan Turing ist sein Idol. Auch wenn es ihn ein kleines Vermögen kostet, kauft er sich sofort einen der ersten Androiden, die auf den Markt kommen. Charlie wünscht sich einen Freund, einen Helfer, einen interessanten Gesprächspartner. Er erhält viel mehr als das: einen Rivalen um die Liebe der schönen Miranda und eine moralische Herausforderung, die ihn bis zum Äußersten reizt. Ian McEwan hält uns in diesem so philosophischen wie fesselnden Roman einen doppelten Spiegel vor – als Menschen und als Zeitgenossen sehen wir uns darin zuweilen klarer, als uns lieb ist.

Über den Autor

Ian McEwan, geboren 1948 in Aldershot (Hampshire), lebt bei London. 1998 erhielt er den Booker-Preis und 1999 den Shakespeare-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung. Seit seinem Welterfolg ›Abbitte‹ ist jeder seiner Romane ein Bestseller. Zuletzt kamen Verfilmungen von ›Am Strand‹ (mit Saoirse Ronan) und ›Kindeswohl‹ (mit Emma Thompson) in die Kinos. Ian McEwan ist Mitglied der Royal Society of Literature, der Royal Society of Arts und der American Academy of Arts and Sciences.

Produktdetails

  • ISBN 978-3-257-60958-5
  • Erschienen am 22. Mai 2019 (HC), 25. November 2020 (Taschenbuch)
  • Diogenes Verlag
  • 406 Seiten
  • Übersetzung: Bernhard Robben

Weitere Informationen findet ihr bei Diogenes, Buch7, Dussmann, Amazon und natürlich dem Buchhändler eures Vertrauens (beispielsweise unter myBookShop, geniallokal, Jetzt ein Buch, im Otherland oder im Drachenwinkel).

Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar. Die unentgeltliche Bereitstellung des Buches hat meine Meinung in keiner Weise beeinflusst.

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  1. Ich habe das Buch vor einer ganzen Weile gelesen und mochte es sehr gern. Die Idee fand ich richtig toll, aber auch die ganzen „Nebenschauplätze“ fand ich interessant und sie haben der Geschichte noch mehr Tiefe gegeben, finde ich. Aber so unterschiedlich können die Bewertungen eben sein. 🙂
    Liebe Grüße
    Julia

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