Rezension & Buchtipp: »Vom Ende an« von Megan Hunter

»Vom Ende an« von Megan Hunter ist auch eines dieser Bücher, die mir zufällig über den Weg gelaufen sind und mich dann nicht mehr losgelassen haben. Nachdem ich bei einer Freundin ins Buch geschaut und mich auf Anhieb festgelesen hatte, weil mich der bemerkenswerte Stil sofort packte, musste ich das Buch natürlich auch ganz lesen.

Schon mit der ersten Seite zieht einen der einzigartige Stil in seinen Bann

So kam es mit in den Urlaub und wurde am Ostseestrand gelesen, was nicht einer gewissen Ironie entbehrt, schließlich spielt Wasser im Roman eine entscheidende Rolle: Der Wasserspiegel steigt, und die Erzählerin muss zusammen mit ihrem Neugeborenen und ihrem Mann aus London in die Provinz fliehen.

Man erfährt auf eindrucksvolle, sehr persönliche Weise und in einem klaren,  präzisen, knappen Sprachstil, der von Karen Nölle hervorragend ins Deutsche übertragen wurde, mehr über das Seelenleben der namenlosen Protagonistin, die ganz am Anfang des Buches ein Kind bekommt und sich dann auf eine abenteuerliche Reise begeben muss, während das Land um sie herum im Chaos versinkt.

Dabei bleibt der Stil jedoch weiterhin karg; der Leser erfährt nur bruchstückhaft, was eigentlich geschieht, und wird vom dem fast schon lyrischen Schreibstil durch die Geschichte getragen, die nach 160 Seiten viel zu schnell zu Ende ist. Sämtliche Personen kommen dabei nur anhand eines einzigen Buchstaben ins Spiel, und man hat oftmals das Gefühl, ein in Kurzform geschriebenes Tagebuch vor sich zu haben, das einem nur kurze Einblicke in das Schicksal einer Frau gewährt, die aus ihrem normalen Leben gerissen wird, das dem unsrigen am Anfang sehr ähnlich ist.

Ich habe das Buch wie im Rausch verschlungen und weiß schon jetzt, dass ich es garantiert wenigstens ein zweites Mal, wenn nicht noch häufiger zur Hand nehmen werde, weil es mich auf seine ganz eigene Weise gepackt und mitgerissen hat.

»Vom Ende an« von Megan Hunter ist daher ein eindeutiger Lesetipp von meiner Seite und keine klassische Dystopie, sondern eher ein stimmungsvoller, zum Nachdenken anregender und ergreifender Roman, dessen Sprache einem förmlich ins Gesicht springt und einen ebenso ungewöhnlichen wie berauschenden Lesegenuss schafft, den man so schnell nicht mehr vergisst.

Schön, wenn Autorin und Übersetzerin so präsentiert werden

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Eine Frau, die Erzählerin, bekommt ihr erstes Kind. Gleichzeitig sucht eine gewaltige Naturkatastrophe das Land heim. Eine Flut überschwemmt weite Teile Englands, Feuer brechen aus. Die Frau und ihr Gefährte müssen mit ihrem kleinen Sohn den Ort verlassen, Zuflucht suchen, sich auf eine Insel flüchten. Die kleine Familie wird getrennt. Der Schrecken eines sich steigernden Umweltdramas und die Intimität und das Glück einer Mutter-Kind-Liebe entfalten sich parallel. Mit den Augen eines Neugeborenen wird eine Welt entdeckt, die sich zugleich womöglich zu verabschieden droht.
Lyrisch und lakonisch, durchsetzt mit Passagen, die sich wie Bibelzitate lesen, von archaischer Wucht und poetischer Zartheit, klug, komisch, dann wieder wie in Stein gemeißelt – einen solchen Text hat man lange nicht mehr zu lesen bekommen. Wie ein weibliches Gegenstück zu Cormac McCarthys „Die Straße“, gleichzeitig beklemmend wahrscheinlich und doch von geschichtsloser Wahrheit, präzise und schön – hier ist eine neue Autorin zu entdecken!

Weitere Informationen zum Buch findet ihr bei C.H.Beck und natürlich auch bei Buch7, Amazon und dem Buchhändler eures Vertrauens (beispielsweise hier: https://mybookshop.shop-asp.de/).

Außerdem könnt ihr auch noch in die Leseprobe reinschnuppern.

Ich bedanke mich beim Verlag für das Rezensionsexemplar. Die unentgeltliche Bereitstellung des Buches hat meine Meinung in keiner Weise beeinflusst.

Bibliografie

978-3-406-70507-6

Erschienen am 18. Mai 2017

160 S.

Gebunden

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  1. Das ist die erste Seite? Wow! Das ist wirklich fesselnd. So zieht man Leser in ein Buch! Ich habe es mir mal notiert.

  2. Wow….der Anfang ist einfach nur…Wow!!! Am liebsten hätte ich umgeblättert und direkt weitergelesen. Das Buch muss ich haben!!
    Vielen Dank für dieses Buch-Tipp!

    Liebe Grüße aus Wien,
    Conny

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